Liebesbriefe von der Krankenkasse – Motivation Pur !

 

Da freut man sich über einen guten Hba1c und dann sowas…


Das Leben mit mit der Diabetes Bitch ist schon so eine Sache. Denn die fiese Trulla verlangt permanente Aufmerksamkeit. Einen Moment mal nicht aufgepasst oder die Aufmerksamkeit ein wenig schleifen gelassen, schon bekommt man die Quittung in Form von unschönen Blutzucker Werten. Doch was sind gute oder schlechte Werte ?? Und wer legt die fest ?
In meinem Fall wurde am Anfang meiner Diabetiker Karriere ein individueller Zielbereich mit meinem Arzt vereinbart. Dieser liegt zwischen 100 und 160 mg/dl. Von nun an sollte es meine Aufgabe sein meinen Blutzucker möglichst konstant in diesem Bereich zu halten. Und das ist gar nicht mal so einfach und gelingt mal besser und mal schlechter. Jetzt könnte man glauben, okay solange deine Werte sich in diesem individuellen Zielbereich aufhalten ist mit dir und deinem Diabetes alles in Ordnung und dein Arzt ist happy. Weit gefehlt !!!

Die Sache mit dem Langzeit Blutzucker

Denn um heraus zu finden wie es um die Einstellung des Blutzuckers bestellt ist, werden nicht die von mir akribisch gesammelten Daten aus meinem Blutzucker Tagebuch herangezogen, sondern ein Wert der auf den wunderschönen Namen HbA1C hört.

Dieser Wert spiegelt vereinfacht gesagt den Anteil der Roten Blutkörperchen am Gesamthämoglobin wieder  und ist ein Maß für den durchschnittlichen Blutzucker der letzen 8 Wochen. Daher wird er oft  Blutzuckergedächtnis oder Langzeit Blutzucker genannt. Angegeben wurde dieser Wert bisher in Prozent, seit einigen Jahren hat man sich allerdings  auf die Angabe des HbA1c Wertes in mmol/mol geeinigt.
Und genau dieser Wert ist es der seit Jahren von Ärzten und Diabetes Beratern zur Beurteilung der Diabetes Einstellung herangezogen wird.

Eine Frage der Einstellung.

Ein HbA1c Wert unterhalb von 7% entspricht ungefähr dem Durchschnitts Blutzucker eines gesunden Menschen und wurde daher bisher als Richtwert empfohlen. Es galt also, etwas platt gesagt, die grobe Formel: HbA1c < 7% = guter Diabetiker  (gut eingestellt) und im Umkehrschluss: HbA1c > 7% = böser Diabetiker (schlecht eingestellt) . Wann immer sich nun zwei Menschen mit Diabetes über ihren ungeliebten Begleiter Diabetes unterhalten, dauert es meist nicht lange bis man sich gegenseitig den aktuellen HbA1c Wert um die Ohren haut. Alles dreht sich sich um diesen einen Wert. Ist ja auch nachvollziehbar, denn immerhin sind wir Diabetiker ( z.B. durch Aktionen wie “gesünder unter 7)  ja jahrelang auf dieses Ziel gedrillt worden. Macht das Sinn ??? Nein!!!

Den zum einen sind Messwerte aus unterschiedlichen Praxen bzw. Laboren nicht immer mit einander vergleichbar, da oft unterschiedliche Messmethoden angewandt werden und zum anderen werden bei solchen Vergleichen viele Faktoren die den HbA1c Wert beeinflussen können ausser acht gelassen. Ilka hat das ihrem Artikel super zusammengefasst.

Glücklicher Weise findet so langsam ein Umdenken in der Bewertung des Hba1c Wertes statt, auch wenn es bei vielen Ärzten oder Diabetes Beratern noch nicht angekommen ist.
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft empfiehlt  in Ihrer Leitlinie Therapie des Diabetes mellitus Typ 1  unter anderem auch den angestrebten Hba1c Wert individuell mit dem Patienten zu vereinbaren und den HbA1c Zielwert nicht rigoros vor zu geben.
Ich für meinen Teil bin schon vor einer Weile dazu übergegangen den Hba1c Ziel Wert nicht mehr als in Stein gemeisselt zu betrachten. Bestenfalls stellt der Langzeit Blutzucker für mich eine Art Trend Barometer dar. Alles im Bereich zwischen 7 und 8,5% ist für mich Okay und ich fühle mich gut dabei. Dennoch war ich sehr erfreut als mein Arzt mir beim letzten Check mitteilte das sich mein HbA1c Wert nun deutlich verbessert habe. Und zwar von 8.9 auf 7.8 Prozent. Zuvor hatte ich lange nach der Ursache für den dauerhaft erhöhten Langzeit Blutzucker gesucht und diese auch gefunden.
Ich war also hoch zufrieden mit dem Ergebnis und mein Arzt ebenfalls wie er mir versicherte.
Ein paar Tage später fischte ich dann ein Schreiben meiner Krankenkasse aus dem Briefkasten das meine Euphorie wieder deutlich dämpfte. Ehrlich gesagt bin ich immer noch recht angesäuert über den Inhalt. Aber lest selbst.

 

Wenn das nicht motiviert, was dann ?

 

Okay, höchstwahrscheinlich handelt es sich hierbei um ein automatisiertes Standard Schreiben. Trotzdem bin ich sauer und würde denen gern folgendes antworten.

 

Liebe Krankenkasse,

natürlich bietet mein Hba1c Wert noch Potential zu Verbesserung. Und ich arbeite hart daran. Anstatt mich über die Einstellung meines Hba1c zu belehren wäre es  total supi von Euch, wenn ihr Eure Einstellung zum Hba1c auch mal prüfen würdet.
Meine Motivation gepaart mit einem von Euch gesponserten CGM wäre doch eine tolle Kombination mit der wir gemeinsam die restlichen 0.8 Prozent zum optimalen HbA1c schaffen könnten.