Bauch oder Bein – Die Wahl der Injektionsstelle

Ein kleine Veränderung in meinem Spritzverhalten veränderte meine Blutzucker Werte nahezu drastisch.


Meine Blutzucker Werte der letzten Wochen waren mal wieder alles andere als gut und ich hatte arge Probleme das wieder in den Griff zu bekommen. Meine Diabetes Bitch zickte mal wieder gehörig rum.Und auch mein Hba1c Wert war im Laufe des letzten halben Jahres von 7,1% auf 8,9% gestiegen. Egal was ich auch veranstaltete, meine Blutzucker Werte waren viel zu hoch. Und das obwohl ich mich schon sehr diszipliniert darum gekümmert habe.

Es folgte nun also ein Termin bei meinem Doc um meine Therapie Einstellung mal wieder zu überprüfen. Meine Diabetes Beraterinn vermutete zuerst das sich meine BE Faktoren verändert haben könnten und das wir evtl. den Bolus anpassen müssten.
Seit meiner Diabetes Diagnose im Jahr 2008 berechne ich Menge des benötigten Insulins immer mit dem Faktor 1. Mit anderen Worten: Für eine BE an Kohlenhydraten spritze ich eine Einheit Insulin. Damit war ich bis dato auch immer ganz gut gefahren (und es ist so schön einfach zu rechnen ).
Super, dachte ich bei mir, da isst du jetzt morgens, mittags und abends eine genau definierte oder auch abgewogene Menge an Kohlenhydraten, spritz den entsprechenden Bolus und schaust ob der Blutzucker nach der Wirkdauer des Insulins (Novo Rapid) im Zielbereich liegt. Aber das hatte ich mir zu einfach vorgestellt, denn meine Diabetes Beraterin verdonnerte mich zu dem von mir gehassten Basalratentest. Sie wollte zuerst sicherstellen das die Menge an Basal Insulin richtig gewählt ist.

 

Basalratentest ich mag dich nicht

Bei einem Basalratentest spritz man das Basal Insulin wie gewohnt, lässt aber jeweils eine Malzeit am Tag aus und spritzt auch keinen Bonus. Nun misst man stündlich den Blutzucker. Bleibt dieser über den Testzeitraum von fünf Stunden konstant ist alles in Ordnung. Bei steigenden oder fallenden Werten sollte die Dosis des Basal Insulins erhöht oder verringert werden. Wichtig ist das vor dem Test der Blutzucker nicht höher als 180 mg/dl  sein sollte und das die letzte Korrektur mindestens drei Stunden zurück liegt um auszuschliessen das noch Bolus Insulin wirkt.

Und das sind genau die Gründe warum ich diese Basalratentests so hasse, denn diese Bedingungen konnte ich unter den vorherrschenden Blutzucker Werten nicht erfüllen.
Erschwerend kommt noch hinzu das ich einen relativ unregelmässigen Tagesablauf habe und eben nicht zu festen Zeiten aufstehe, esse oder ins Bett gehe.
Vor allem die nächtlichen Tests sind mir ein Graus.
In der Praxis gibt's ein CGM System das man man sich bei Bedarf ausleihen kann und mit dem das nächtliche Messen dann ein Klacks wäre. Die Kosten für den Sensor die meine Krankenkasse ja nur allzugerne nicht zahlen möchte (beim letzen mal waren es 70€) hätte ich ja gern gezahlt. Aber irgendwie wollte die Praxis das Ding nicht rausrücken und so sah ich also den nächtlichen Testwahnsinn auf mich zu kommen.
Wenn es hier nur um eine Nacht gehen würde, wäre das ja auch kein Thema. Meine Diabetes Beraterinn wollte aber gern drei dieser Test an drei unterschiedlichen Tagen.Also bin ich wenig begeistert mit den Testbögen wieder nach Hause.

Lantus mal anderes ?

Am späten Abend machte ich dann in einem Studenten Cafe eine interessante Entdeckung. Ein Paar Tische entfernt saß ein junger Typ so um die 30 und hatte vor sich auf dem Tisch, neben Handy und Bier, seinen Insulinpen liegen. Eine Weile später machte er Anstalten diesen auch zu benutzen und zog die Kappe des Pens ab und stellte die Dosis ein. Während dessen konnte ich sehen das der Kollege auch auf Lantus ist. So wie ich. Ich weiss noch wie ich mich fragte ob er zum spritzen nun auf die Toilette veschwinden würde, denn ich vermutete das er ja wohl nicht mitten im Laden die Hosen runter lassen wolle. Das tat er auch nicht sondern spritze sich das Basal Insulin schnell und routiniert in den Bauch.
Nun fiel es mir wie Schuppen von den Augen.

Ich selbst bin von meinem Doc vor einiger Zeit von Protaphane auf Lantus umgestellt worden. Fand ich ne gute Entscheidung, da ich das nur einmal am Tag spritzen brauchte und nicht zweimal wie das Protaphane und zudem fiel auch noch das nervige Schütteln weg.
Seit dem spritze ich also jeden Abend um 22 Uhr brav mein Lantus. Und zwar in den Oberschenkel !! Genau so wie ich es vorher mit dem Protaphane auch getan habe.
Das hatte mir meine Diabetes Beraterin damals so empfohlen da das Insulin am Oberschenkel wesentlich langsamer resorbiert wird.

Ich beschloss also einen Selbstversuch zu starten und mein Lantus nun auch in den Bach zu spritzen.

Und siehe da ….

Meine Werte befinden sich nun wieder in einem Bereich den sie zuvor wochenlang nicht erreicht haben.
Die einfachsten Dinge sind eben doch die besten. Basalratentest du kannst mich mal 🙂

Meine Blutzuckerwerte im Dezember

 

zum Vergleich die Werte aus dem März.