Applaus Applaus und es bleibt spannend

Nun ist es also soweit, die von mir hart erkämpfte Probezeit für die Pumpe ist vorbei und somit geht´s an den Antrag für eine dauerhafte Kostenübernahme.
Vier Monate ist es nun her als ich meine Animas Vibe für ein viermonatige Probephase in Empfang nehmen durfte. In dieser Zeit hab ich mich mit dem kleinen Kasten mehr als nur angefreundet. Das Gerät hing an mir bei allem was ich angestellt habe. Egal ob Arbeit oder Freizeit. Ich hab mit ihr gearbeitet, war mit ihr Laufen, schwimmen und Radfahren, wir haben zusammen Rasen gemäht, sind umgezogen, waren feiern, auf Reisen haben jede Menge Leute getroffen und  und und….

Was hat sich verändert?

Nach einer wie ich finde recht kurzen Eingewöhnungsphase, trat die Pumpe und damit der Diabetes immer mehr in den Hintergrund. Damit meine ich nicht in Vergessenheit, vielmehr waren beide ja immer noch ständig bei mir aber eben nicht mehr so präsent wie vorher unter der ICT. Zuvor hatte ich darauf zu achten meine gesamten Diabetes Utensilien immer am Mann und griffbereit zu haben. Das Etui mit dem Messgerät,  besonders auch das grosse Etui mit den Pen´s, mein Handy mit dem ich mein Diabetes Tagebuch führte, all diese relativ sperrigen Dinge beanspruchten Tag für Tag ihren Platz im meinen Hosen oder Jacken Taschen. Okay, das hätte man evtl. mit einer Tasche lösen können aber Taschen waren noch nie mein Ding. Klingt komisch ist aber so. Ich bin halt einfach kein Taschen Mann !! Im Gegensatz dazu ist meine kleine Pumpe einfach immer da und machte ihren Job, ohne mich gross zu stören. Hin und wieder hole ich sie hervor, wenn ich zb. meinen BZ gemessen hab und einen Bolus abgeben möchte oder die Basalrate an bevorstehende körperliche Belastung anpassen möchte. Beides geht sehr schnell von statten und danach verschwindet die Pumpe samt den Diabetes wieder in die Hosentasche oder an den Gürtel. Super!! Während der vergangen Probephase hatte ich hin und wieder Phasen, in denen ich den Diabetes fast vergessen hätte und mich selber dran erinnern musste. Nach dem Motto “Moment da war doch noch was”. Nicht das hier der Eindruck entsteht mit einer Pumpe wäre alles easy und kein Problem. So ist es natürlich nicht. Die Pumpe ermöglicht mir aber eine viel präzisere Feinjustage meiner Insulinzufuhr die ich nicht mehr missen möchte.

Are your ready to Rock ??

Als Beispiel beschreibe ich hier mal eine Situation aus meinem Job als Audio / Videotechniker.
Diesen übe ich überwiegend auf Events und Veranstaltungen aus. Naturgemäss sind die Arbeitszeiten hier sehr unterschiedlich und meist zu Zeiten in denen andere Menschen schlafen oder Freizeit haben. Kein Event ist wie das andere und es können immer wieder unvorhersehbare Dinge passieren, die eine entsprechende und schnelle Reaktion erfordern. Was eben noch nach einem relativ entspannten Job ohne nennenswerte körperliche Aktivität aussah, kann in kürzester Zeit ins Gegenteil umschlagen. Neulich verschob sich auf einem Konzert der komplette Ablauf, da eine der Bands wegen Stau nicht pünktlich am Festivalgelände sein konnte. Dies bedeutete also für alle Beteiligten einen Bühnenumbau auf einen anderen Programpunkt unter Zeitdruck. Und voraussichtlich beim Eintreffen der verspäteten Band, das Ganze dann noch einmal. The Show must go on.
Aus diabetischer Sicht unter ICT stellte sich das Szenario für mich so dar:

Foto: Sascha Stiefeling

Ich hatte gerade noch einen etwas zu hohen Blutzucker korrigiert, als die Nachricht kam das es nun wahrscheinlich stressig werden würde. Na super ! Was tun ??? Klar ich könnte nun genügend Extra BE´s zu mir nehmen um für die bevorstehende körperliche Anstrengung gewappnet zu sein. Macht halt nur nen etwas doofen Eindruck beim Auftraggeber, wenn ein ca.12 köpfiges Bühnenteam darauf warten muss bis ich mit einem akzeptablen BZ Wert aus dem Catering Zelt zurück komme. Vor allem wenn die Zeit drängt. Ich kann Euch sagen das fördert nicht gerade den Teamgeist. Also wird ein kräftiger Schluck aus der Cola Flasche genommen, ein paar Traubenzucker Platten verdrückt und auf dem Weg zur Bühne noch irgendein mitgebrachtes Brötchen vertilgt um den BZ auf einem passablen Level zu halten. Auf in den Kampf. Da ich weiss, dass mein BZ bei körperlicher Anstrengung gerne mal eben abrauscht, heisst es für mich also im grössten Getümmel engmaschig zu kontrollieren was der werte Herr Diabetes da gerade so veranstaltet und wenn nötig weitere BE´s zu mir zu nehmen. Dabei das richtige Verhältnis von Zusatz Be´s und Aktivität zu finden, ist schier unmöglich. Hin und wieder gelingt mir das zwar ganz gut, meist aber sehe ich mich aber im Anschluss an die Hektik mir viel zu hohen BZ Werten konfrontiert. Da stellt sich dann erneut die Frage was zu tun ist. Vorsichtig korrigieren oder lieber erstmal abwarten und auf den Nachbrenn-Effekt hoffen. Ihr könnt Euch sicher denken dass dies das ein oder andere mal zum, unter Zuckerköpfen sehr beliebten, Blutzucker YoYo führt. Also immer schön weiter kontrollieren, während die Bands auf der Bühne das Haus rocken und ich am Mischpult versuche das Ganze zum klingen zu bringen. Und weil “Nach der Show” eben auch “Vor der Show” bedeutet, gibts zur erneuten körperlichen Ertüchtigung eigentlich immer einen mal mehr oder weniger anstrengend Abbau. Ich kann Euch sagen, das mit der ICT zu händeln ist schon eine Herausforderung die mächtig nervt.

Mit der Pumpe ist das beschriebene Szenario zwar nicht weniger stressig oder anstrengend was den Job an sich angeht, aber das Diabetes Management in einer solchen Situation vereinfacht sich ungemein. Denn mit der Pumpe bin ich in der Lage, sobald sich körperliche Anstrengung ankündigt, flexibel zu reagieren. In der Praxis bedeutet das auf meine Basalrate Einfluss nehmen zu können. Also schnell mal eben die Basalrate für ein paar Stunden (je nach Bedarf) auf 60% oder 40% (je nach Bedarf) absenken und fertig. Kopf frei für die wichtigen Dinge. Natürlich kontrolliere auch hier bei regelmässig meinen BZ. Nach einigem Herantasten an die optimale Reduktion der Basalrate, kann ich nun an solchen Tagen meinen Blutzucker deutlich besser kontrollieren. Hypos, die früher unter der ICT in solchen Situationen häufig auftraten, sind nach dem Umstieg auf die Pumpe (CSII) so gut wie kein Thema mehr. Das gibt Sicherheit !! Und wenn mann dann noch ein CGM nutzen könnte………. Aber das ist ein anderes Thema.

Auch einen anderen Aspekt, bei dem mir die Pumpe sehr hilft, möchte ich kurz erwähnen. Meine bisher deutlich zu hohen Nüchternwerte am Morgen (Dawn Phänomen). Was habe ich unter der ICT nicht alles versucht um diese in den Griff zu bekommen. Egal mit welchen Traumwerten ich Abends zu Bett ging, morgens lag der Nüchternwert eigentlich immer jenseits der 300 mg/dl. Auch nächtliches Wecker stellen zum korrigieren brachte genau so wenig Erfolg wie das ausprobieren sämtlicher Basal Insuline und Dosierungen. Lag der Nüchtern Wert mal weit unter 300 mg /dl , konnte ich davon ausgehen das sich in der Nacht ein Hypo Szenario abgespielt hatte.
Als ich dann die Pumpe bekam verbrachten meine Diabetesberaterin und ich ein gewisse Zeit mit der Optimierung der nächtlichen Basalrate. Diese wurde in den frühen Morgenstunden (4 Uhr) deutlich erhöht. Und siehe da – Nüchtenwerte von mehr als 140 mg/dl sind nun nur noch Ausnahmen.

Power auf Dauer ?

Unterm Strich kann ich sagen dass sich für mich der Umstieg auf eine Insulinpumpe auf alle Fälle gelohnt hat. Das schlägt sich auch in meinem Hba1c Wert nieder, der sich nun zum ersten mal seit meiner Diabetes Diagnose im Zielbereich von <7 % befindet. Und ich bin mir sicher dass, da mit etwas mehr finetuning noch mehr rauszuholen ist.

Lange Rede kurzer Sinn, ich habe also zusammen mir meinem Arzt einen Antrag auf dauerhafte Kostenübernahme bei meiner Krankenkasse eingereicht. Natürlich wieder mit Gutachten, Blutzuckertagebüchern, Dokumentation über die vorgenommenen Basalraten Anpassungen, genaue Auflistung der Pumpen Einstellung, Zielbereiche, BE Faktoren etc…
Ich hatte die leise Hoffnung, dass die KK aufgrund obiger Argumente dem Antrag einfach mal zustimmt. Aber natürlich, wie sollte es auch anders sein, muss das ganze nun erneut dem MDK vorgelegt werden. Dazu benötigt man bis zu fünf Wochen. Bleibt mir zu hoffen dass der Antrag dem selben Gutachter vorgelegt wird, der sich nach meinem Widerspruch für eine Erprobungsphase ausgesprochen hatte. Und wieder einmal heisst es warten….warten….warten….