EASD 2016 München

EASD in München

Die letze Woche hatte es in sich. In München fand die 52. EASD Jahrestagung statt. Hier treffen sich ein mal im Jahr alle, die in irgendeiner Form mit Diabetes zu tun haben. Wissenschaftler, Journalisten, Verbände, Hersteller, Patienten….
Kurz gesagt der EASD ist das Wacken der Diabetes Szene. Ich hatte das große Glück auf Einladung der Firmen Roche und Bayer an zwei Events im Rahmen des EASD teilnehmen zu dürfen. Wie ihr Euch sicher vorstellen könnt, passiert rund um ein solches Meeting aber noch viel mehr. So viel, dass es schwierig ist das alles in einem Blogpost unterzubringen. Daher gebe ich euch auf dieser Seite einen kleinen Überblick über die Highlights der Woche und gehe auf einzelne Themen später noch mal in gesonderten Posts ein.

Roche #DiabetesMeetUp

Wie auch schon im letzen Jahr in Stockholm veranstaltete Roche auch in diesem Jahr wieder das #DiabetesMeetUp. Auf dem Programm stand der Austausch zwischen Roche und der internationalen #doc (Diabetes Online Comunity) zu einem bestimmten Thema.

 D3 – Diabetes – Digital – Design

Prototype the next steps in CGM

So lautete das diesjährige Thema. Also machte ich mich am Montag Morgen auf zum Flughafen um ein knappe Stunde Später in München zu landen. Kaum dort angekommen traf ich auch schon die ersten Sweet Peeps aus der  #Doc. Gemainsam mit Ilka,Bente, Finn und Frederik fuhren wir im Taxi nach München rein. Nachdem wir im Hotel eingescheckt hatten ging es auch schon los  in Richtung  Lenbachpalais. Dort trafen wir auf die anderen Teilnehmer des Meetups. Nun folgte erstmal ein großes Hallo denn naturgemäß dauert es eine Weile bis man alle begrüsst hat und sich gegenseitig auf den neusten Stand gebracht hat. Viele der Teilnehmer kannten sich bereits von anderen Events, einige waren zum ersten mal mit von der Partie. Nach einem kleinen Snack im Erdgeschoss der mondänen Lenbachpalais, begann dann in der ersten Etage das eigentliche Meetup.

Die Katze aus dem Sack – Insight CGM System von Roche

Nach einer offiziellen Begrüßung und der Vorstellung der Programmpunkte, fackelte Roche nicht lange und ging direkt in die Vollen. Da der Untertitel der Veranstaltung ja “Prototype the next steps in CGM” lautete war klar, dass es sich die nächsten Stunden um das Thema CGM drehen würde. Die Frage war nur um welches. Erst im Mai dieses Jahres, übrigens kurz vor dem GBA Entscheid, hatte Roche ja angekündigt, künftig den exklusiven Vertrieb des Eversense CGM Systems zu übernehmen. Zum anderen hatte Roche in der Vergangenheit und auch beim letzten EASD in Stockholm anklingen lassen, dass auch ein eigenes CGM System in der Entwicklung sei. Und nun, nachdem kaum einer mehr daran glaubte, lies Roche die Katze aus dem Sack und präsentierte uns das Insight CGM System.

 Das Insight CGM System

Das System besteht im wesentlichen aus drei Komponenten.

Insight CGM
Sensor
  • Tragedauer 7 Tage
Transmitter
  • Lebensdauer 1 Jahr
  • Cgm Daten werden im Transmitter gespeichert.
Receiver
  • Ein seperater Receiver ist erhältlich
App
  • App für Android und iOs
  • anpassbarer Status Bildschirm
  • anpassbare Alarme
  • Trendpfeile
  • Notizen / Marker
  • Widget Anzeige
Das setzen des Sensors mithilfe der Setzhilfe

Mein Eindruck

So, nun hat also auch Roche sein “eigenes” CGM im Portfolio. Auf mich machte das System auf den ersten Blick einen soliden, wenn auch recht klobigen Eindruck. Warum so ein Gerät im Jahre 2016 immer noch im off white/ beige Style daher kommen muss, ist mir völlig unverständlich. Der Sensor erinnert mich etwas an einen Omnipod und die dazu gehörige Setzhilfe ist für meinen Geschmack etwas zu monströs.  An Funktionen ist alles an Bord was derzeit bei CGM Systemen Standard ist. Nicht mehr und nicht weniger. Auch die App bietet die gängigen Features. Zusammengefasst würde ich sagen:  Eine solide Kopie dessen was es schon gibt, ohne weiteren Schnick Schnack oder gar Innovation. Letztendlich wird sich erst in der Praxis zeigen ob das Roche System mit den schon etablierten CGM Systemen mithalten kann. Kleiner Wermutstropfen am Rande: Obwohl es der Name des Systems es vermuten lässt, arbeitet das Insight CGM derzeit nicht mit der hauseigenen Accu Check Insight Insulinpumpe zusammen.

Das nächste Level

Nach der Vorstellung des CGM Systems war unsere Kreativität gefordert. In einem Workshop galt die Frage zu beantworten, was man, über Alarme und Co hinaus, mit CGM Systemen noch alles anstellen könnte wenn man sie mit anderen Technologien vernetzt. Stichwort: Internet of Things. Ein echt spannendes Thema, dem ich hier noch den ein oder anderen Post widmen werde. Die einzelnen Teams entwickelten zum Teil grossartige Ideen, die das Leben von Diabetikern durchaus bereichern oder vereinfachen könnten. Doch dazu später mehr.

Diabetics in the City

Anschliessend erwartete uns eine digitale Form der Schnitzeljagd. Bewaffnet mit Tablet und GPS Empfänger bahnten wir uns unseren Weg durch München. Auf dem Weg zum Restaurant in dem das Abendessen stattfinden sollte, galt es möglichst viele Punkte abzulaufen und Fragen zu lösen. Also rannte ich mit Anna von AnnaPS, Renza von Diabetogenic und Steffi von Pep me Up durch München entlang der diversen Point of Interest. Der Tag klang dann bei einem hervorragenden Essen im schönen Restaurant Grandl aus.

 

Zu Gast auf dem Roten Sofa der Blood Sugar Lounge

Am Mittwoch schauten wir bei der Blood Sugar Lounge auf dem Müncher Odeonsplatz vorbei und hatten die Gelegenheit mit Daniel Schnelting einen kleinen Sofa Talk zu führen. Daniel Schnelting stellte dort zusammen mit Sanofi und dem Kirchheim Verlag die Aktion Gesünder unter Sieben vor.

Es werde Licht im Hause Ascensia

Zugegeben eine etwas merkwürdig anmutende Überschrift. Ascensia bewirbt das ab Oktober erhältliche Blutzucker Messsystem Contour Next One mit dem Slogan : ” Im Umgang mit Diabetes ein echter Lichtblick” Zu EASD wurde dann im Rahmen des #CNOEULaunch das System der Öffentlichkeit vorgestellt. Ascensia hatte mich freundlicher Weise eingeladen, diesem Event beizuwohnen und mich erhellen zu lassen. Während man andernorts die Entwicklung von CGM System voran treibt, bleibt Ascensia der konventionellen Methode der Blutzuckermessung (mit Teststreifen und Blutzuckermessgerät) treu. Ein erfolgreiche Diabetes Therapie steht und fällt mit einer lückenlosen und detaillierten Dokumentation der Blutzuckerverläufe, Mahlzeiten und Insulinabgaben. Doch leider ist genau das die Schwachstelle. Denn laut Ascensia sind über 70% der Werte in den handschriftlichen Tagebüchern vieler Patienten mangelhaft oder einfach falsch. Dies wird deutlich wenn man den Labor Hba1c, den aus den Tagebüchern errechneten theoretischen Hba1c gegenüberstellt.

Kurz gesagt, Ascensia hat die Fehleranfälligkeit eines Papiertagebuchs erkannt und möchte dem Patienten mit dem neuen Contour Next One nun ein Werkzeug an die Hand geben mit dem die “Diabetesbuchaltung” künftigt elektronisch erledigt werden kann. Also wurde ein Blutzuckermessgerät entwickelt das die gemessenen Daten per Bluetooth an eine Tagebuch App sendet. Nun wird sich der geneigte Leser fragen: ” Wow, und was ist jetzt daran jetzt neu?” Zum Messgerät gibt es eigentlich nicht viel neues zu berichten außer, daß man dem Gerät nun eine LED spendiert hat. Diese signalisiert dem Anwender farblich ob sein gerade gemessener Wert oberhalb, unterhalb oder innerhalb seines definierten Zielbereichs liegt. Diese Ampelschaltung, wie ich es nenne, findet man ja heutzutage in einigen Messgeräten (siehe Lifescan). Ob das nun ein Hilfe ist oder nicht, muss wohl jeder für sich herausfinden.  Ein hilfreiches Feature  ist die eingebaute Lampenfunktion mit der es nun leichter möglich ist auch bei Dunkelheit seinen Blutzucker zu messen. Ansonsten kommt das Gerät in gewohnt guter Verarbeitung und Qualität daher, wie man sie schon von den Vorgängern zb. dem Countour Next USB gewohnt ist. Ergänzend sei angemerkt dass das Gerät schon nach der DIN ISO-Norm 15197:2015 misst, welche strengere Anforderungen an die Messgenauigkeit stellt. Eine Übermittelung der Messwerte an die Medtronic 640 G Insulinpumpe ist mit dem Contour Next One derzeit leider nicht möglich.

Die Contour App

Ich frage mich ja warum die Hersteller immer noch versuchen das Rad neu zu erfinden und eigene Apps entwickeln anstatt zu versuchen ihre Geräte in schon bestehende Anwendungen zu integrieren. Alle reden immer von Interkonnektivität aber meist bezieht sich das leider nur auf den hauseigenen Device Kosmos.

Die Contour App ist eine gut gemachte und leicht zu bedienende Tagebuch App in der man sich schnell zurecht findet. Die Einträge gehen recht schnell von der Hand und lassen sich mit allen nötigen Angaben bestücken. Blutzucker,Kohlenhydrate, Insulinabgaben,Mahlzeiten, Fotos oder sonstige Kommentare sind schnell eingegeben.
Eine nützliche Funktion sind die Erinnerungspläne. Hiermit kann ich festlegen wie oft ich per App daran erinnert werden möchte einen Eintrag zu machen. Dies ist zum Beispiel bei einem bevorstehenden Artztermin von Nutzen. So ist gewährleistet, dass ich mit einer soliden Datenbasis beim Arzt erscheine und somit auch genaue Thearpieanpassungen möglich sind. Einen weiterer Pluspunkt ist die Möglichkeit mehrere Messgeräte mit der App zu koppeln. So könnte man z.B. ein Gerät zu Hause, eins im Auto und eins auf der Arbeit benutzen und trotzdem alle gewonnenen Daten in einer  App wiederfinden ohne umständlichen Datenexport bzw. Import betreiben zu müssen.

 

Mein Fazit.

Neben den wissenschaftlichen Vorträgen  gibt es zum EASD auch immer eine Industrie Ausstellung auf der die Hersteller ihre neuen Produkte präsentieren. Manchmal entdeckt man dort ein Highlight oder eine Neuigkeit. Ansonsten ist es aber eine Messe wie es sie in jeder anderen Branche auch gibt. Die Krankheit mit der wir leben müssen ist für die meisten der Protagonisten in den diversen Messehallen vor allem eins. Deren Geschäft.
Als Patient fällt es manchmal schwer sich das immer wieder vor Augen zu führen. Wirklich bahnbrechende Neuigkeiten wie es zum Beispiel die Einführung des Freestyle Libre vor zwei Jahren, suchte man dieses Jahr vergebens. Ich hatte ein wenig den Eindruck als würde man vielerorts auf ein ” Next Big Thing” wie etwa die künstliche Bauchspeicheldrüse warten. Derweil konzentriert sich die Industrie darauf, das sammeln von Daten einfacher zu gestalten. Sei es mit neuen Messgeräten, CGM Systemen, Apps oder Software. Leider gibt es noch keine wirkliche Lösung, die die Analyse der Daten vereinfacht und die Anwendung der daraus gewonnenen Rückschlüsse auf die eigene Therapie vereinfacht. Auch wenn einiges auf einem guten Weg ist, ist die Digitalisierung derzeit noch nicht in den Arztpraxen angekommen. Die technischen Möglichkeiten sind längst da und werden auf Patientenseite auch gern genutzt. Auf der Seite der Diabetologen sieht es da leider vielfach noch sehr düster aus. Nicht etwa weil sich die Mediziner auf die neuen Möglichkeiten nicht einlassen wollen, sondern weil die gesetzlichen Rahmenbedingungen dazu fehlen. Auch die Frage wie die Leistung des Arztes künftig abgerechnet und bezahlt werden kann ist noch nicht vollständig geklärt. Hier liegt also noch einiges im argen.

Dr. Partha Kar fasste die derzeitige Situation auf dem Ascensia Event recht passend zusammen in dem er sinngmäß sagte:

Ich bin in der Lage mehrmals pro Woche per Sykpe mit meiner Mutter in Indien zu kommunizieren aber nicht meinem Patienten der nur ein paar Straßen weiter wohnt.