Mit Zucker hat das nichts zu tun

Schon spannend was man durch den Diabetes alles kennenlernt. In den letzten Monaten führte mich mein nerviger Begleiter schon zu einigen neuen Orten und interessanten Menschen. Diesmal war es unser Wuppertaler Kino. Ein Film über Typ 1 Diabetiker aus Wuppertal stand auf dem Programm.  Das konnten wir uns nicht entgehen lassen.

Mit Zucker hat das nichts zu tun

So heißt der Film, den Sascha und ich uns angeschaut haben. Ein Film über das Leben junger Menschen mit Diabetes Typ1.

Das Medienprojekt Wuppertal e.V. hat letzte Woche Dienstag zur Premiere Ihres Filmes ins Cinemaxx Wuppertal eingeladen. Ein Film über Typ1 Diabetes und die Premiere findet in Wuppertal statt! Kaum zu glauben, aber als echte Wuppertaler konnten wir uns das natürlich nicht entgehen lassen.

Also auf ins Kino. Mein erstes Ziel war natürlich die “Futtertheke”, wo ich Popcorn und Nachos mit einem Hauch Käsesößchen erstand. So beladen bin ich dann zum Kinosaal, wo Sascha und andere Interessierte schon auf Einlass warteten. Irgendwie meinte ich, aus der ein oder anderen Richtung Blicke auf meinen Proviant zu spüren und solche Gedanken wie: “Na kein Wunder, dass die Diabetes hat, wenn die son Zeug isst!”(Für die Leser, die mich nicht kennen, ich habe kein Diabetes!)

Nachdem wir dann endlich in den Kinosaal gelassen wurden (die Nachos haben den übrigens nicht mehr von innen gesehen!), ging es endlich los. Es wurden drei junge Typ1 Diabetiker vorgestellt. Max (9), Jana (15) und Tonia (33).

Das Filmteam hat die drei begleitet und anschaulich aus den doch sehr unterschiedlichen Leben berichtet.

Max hat erst seit einem Jahr Diabetes, geht dafür aber erstaunlich gut mit seiner Erkrankung um. Er ist bis jetzt noch “Penner” und kann seine benötigten Insulineinheiten noch nicht selber ausrechnen. Hier ist er auf die Hilfe seiner Mutter angewiesen. Messen und Spritzen erledigt er aber schon selbstständig. Seine Mutter kommt auch zu Wort und erzählt den Zuschauern, wie es für die Familie war, als Max die Diagnose bekam. Sie hat sehr ausführlich über die Ängste und Sorgen berichtet, die man als Eltern zu Beginn hat.

Jana hat Diabetes seit sie acht Jahre alt ist. Seit einigen Jahren trägt sie eine Pumpe, die sie auch nicht mehr hergeben möchte. Jetzt ist sie mit 15 ein richtiger Teenager, der zum Teil andere Sorgen als Diabetes hat. Jana vergisst gerne mal Insulin abzugeben und hat dann natürlich zu hohe BZ-Werte. Ab und zu greift sie aber auch noch auf die Hilfe ihrer Mutter zurück. Morgens nach dem Wecken, wenn Jana noch gemütlich im Halbschlaf im Bett liegt, misst ihre Mutter den Blutzucker für sie.

An dieser Stelle musste ich ziemlich schmunzeln und habe mal vorsichtig zur Seite geschaut, um zu sehen wie Sascha reagiert. Das würde ihm bestimmt auch gefallen, schön im Bett liegend, mir einen Finger reichend und schwups da kommt der erste Wert des Tages! Nix da!

Tonia ist seit ihrem 12. Lebensjahr an Diabetes erkrankt und trägt ebenfalls eine Pumpe. Sie hat sehr gut den Unterschied zwischen Typ1 und Typ2 Diabetes erklärt. Tonias Leben unterscheidet sich altersbedingt natürlich völlig von den beiden anderen. Sie geht arbeiten und lebt mit ihrem Freund zusammen, der im Film ebenfalls zu Wort kommt. Ein toller Typ, der mit seinem charmanten spanischen Akzent aus der Sicht des Partners berichtet. Hier kam es zu einigen lustigen Begebenheiten, da er zu Anfang der Beziehung noch recht wenig über Diabetes wusste und dachte man kann sich das Insulin sparen, wenn man nach dem Essen einfach etwas spazieren geht oder anderweitig “sportet”. Beide haben sehr interessant aus ihren unterschiedlichen Sichtweisen erzählt und auch das Thema Sex kam zur Sprache. Gerade mit einer Pumpe scheint das für Außenstehende immer wieder spannend zu sein. Ich habe selbst schon oft mitbekommen, wie Sascha gefragt wurde, stört dich die Pumpe denn nicht? Dabei ein kleiner Blick zu mir und ein fragendes Gesicht, auf dem man ablesen kann, dass der Satz eigentlich noch nicht zu Ende war, man sich aber geniert genauer nachzufragen.

Alles in allem ein wirklich gut gemachter Film, der mit vielen Vorurteilen aufräumt und den man uneingeschränkt weiter empfehlen kann.

Im Anschluss an die Vorführung gab es noch eine Podiumsdiskussion, wo man die anwesenden Hauptdarsteller und die Macher des Films direkt befragen konnte. Auch das kam beim Publikum gut an. Hierbei kam auch heraus, dass der Film von deutlich mehr Nicht-Diabetikern als Diabetikern besucht wurde, was mich sehr erstaunt hat.

Wer Interesse an dem Film hat, der kann sich an das Medienprojekt Wuppertal e.V. wenden.

www.medienprojekt-wuppertal.de

P.S.: An Tonias Freund, dessen Namen ich leider vergessen habe. Falls Du das liest: You made my day! 😉