Deutschland misst

Messen. Für uns Diabetiker ist es ein notwendiges aber lebenswichtiges Übel, während es für andere wahrscheinlich nicht mehr als ein hipper Trend ist. Quantified Self ist in aller Munde denn Deutschland misst….

Sicherlich ist es dem ein oder  anderen schon aufgefallen. Seit einiger Zeit zieren neben Smartphone, Kopfhörern und sonstigem Technik Schnick Schnack auch die  sogenannten Wearables die Handgelenke der aktiven und sportbegeisterten Großstadtbewohner. Es gilt sämtliche Funktionen und Parameter des eigenen Körpers aufzuzeichnen und mit Hilfe von Smartphone und Apps auszuwerten. Und da gibt es einiges zu messen in Deutschland.

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  • Deutschland misst die Anzahl der  Schritte .
  • Deutschland misst seine Herzfrequenz
  • Deutschland misst seine Geschwindigkeit
  • Deutschland misst seinen Schlaf.
  • Deutschland misst seine Essgewohnheiten.
  • Deutschland misst einfach alles.

Interessant finde ich, dass dieses Sammeln von Daten meist freiwillig geschieht und nicht etwa weil man es muss. Ich glaube als Diabetiker hat man eine andere Meinung zu diesem Messzwang. Freiwillig kommt jedenfalls keiner gesunder Mensch auf die Idee seinen Blutzucker zu messen. An dieser Stelle entschluldige ich mich für diese zugegebenermaßen etwas lang geratene Einleitung. Nun aber zur eigentlichen Geschichte.

Sind sie mit einer Blutzuckermessung einverstanden ??

Es war im Jahr 2009, ein paar Monate nach dem ich von meinem Doc zum Insulinritter geschlagen und somit offizielles Mitglied unserer Diabetes Community wurde.  Von einem Event auf dem ich gearbeitet hatte, fuhr ich des nschts zurück nach Wuppertal. Etwa zwei Strassen vor meiner Haustüre wurde ich von der Polizei angehalten. Natürlich im Rahmen einer allgemeinen Verkehrskontrolle. Da der allgemeine Verkehr in unserem Stadtteil aber um diese Uhr bereits vollständig erloschen ist, konzentrierten sich die Bemühungen der beiden Beamten vollständig auf mich. Es folgte also die allseits beliebte Prozedur. “Führerschein und Fahrzeugpapiere bitte” und wenig später die Frage danach ob ich denn im Laufe des Tages Alkohol zu mir genommen hätte. Das verneinte ich wahrheitsgemäß, wurde aber trotzdem gebeten einen Alkoholtest zu machen. Dieser Bitte kam ich natürlich gerne nach. Zuhause kann warten. Das Ergebnis konnte eindeutiger nicht sein. Nicht die geringste Spur von Alkohol konnten die beiden Beamten finden. Dann kann ich ja jetzt weiter fahren, dachte ich. Doch ich hatte mich zu früh gefreut. Denn während ich meinen Alkoholtest absolvierte, schlich einer der Ordnungshüter um mein Auto herum und leuchtete mit der Taschenlampe hinein. Ich konnte die Frage nach Verbandkasten,Warndreieck etc. förmlich schon hören, denn mein Auto sah gelinde gesagt wie eine fahrende Müllhalde aus. Aber es war etwas anderes auf das sich die Aufmerksamkeit des Beamten richtete. Auf dem Beifahrersitz lag das Etui mit meinen Blutzucker Messgerät und den Insulinpens. Ich wurde aufgefordert das aus dem Auto zu nehmen und auf der Motorhaube auszupacken. Die Beamten inspizierten meine Insulinpens und rochen daran. Dann drückten sie auf den Knöpfen des Messgeräts herum und fragten mich anschließend ob ich ihnen erklären könne, was es mit all den Dingen auf sich habe und was sie in meinem Auto zu suchen hätten. Also erklärte ich es den Beamten die jedoch nicht sonderlich überzeugt von meiner Erklärung waren. Schließlich hatte einer der beiden Beamten auch eine Oma mit Diabetes und die müsse nur Tabletten nehmen. Ich soll das doch bitte mal vorführen. Also zeigte ich den Beamten wie man sich mit einer Stechhilfe in den Finger sticht und den gewonnen Bluttropfen auf den zuvor ins Messgerät gesteckten Teststreifen aufträgt um dann seinen Blutzuckerwert zu erhalten. Der Wert war soweit ich mich erinnere irgendwas um die 180 mg/dl. “Normalerweise würde ich jetzt 2 Einheiten Insulin spritzen, soll ich ihnen das auch noch zeigen oder möchten sie es vielleicht mal selbst probieren ?” fragte ich die Polizisten. Diese verneinten, entschuldigten sich für die Unannehmlichkeit und wünschten mir eine gute Heimfahrt. Das war zwar nicht der außergewöhnlichste Ort aber so ziemlich der skurilste Anlass für eine Blutzucker Messung. Angeordnete Blutzuckermessung unter Polizeischutz quasi.

Und wo wir gerade bei Messzwang sind. Wäre es nicht toll, wenn ganz Deutschland  zum Weltdiabetestag am 14. November  freiwillig einmal kollektiv seinen Blutzucker misst? So könnte man jedem ganz einfach zeigen was wir mehrmals am Tag tun und etwas mehr öffentliche Aufmerksamkeit für den Diabetes schaffen. Oder findet ihr das zu vermessen ?

Weltdiabetestag: Mit Blutzucker-Bingo und “Deutschland misst!” über Diabetes informieren

Diese Idee ist gut. Sogar so gut, dass sie eigentlich nicht nur von einer Person stammen kann. Und vermutlich waren bei der Ideenfindung mehr Leute beteiligt als man glaubt. Wie dem auch sei, jede gute Idee ist nur so gut wie derjenige der sie umzusetzen vermag. In diesem Fall war es Bastian Hauck der dieser Idee auf die richtigen Schienen geholfen hat. In der Vergangenheit hatte Bastian schon mehrfach bewiesen, dass er in der Lage ist Ideen aufzugreifen und umzusetzen. Als Segler ist er es gewohnt sein Ziel fest im Blick zu haben und sich nicht vom Kurs abbringen zu lassen. Bei Flaute oder Gegenwind. Er ist hervorragend vernetzt innerhalb der Diabetes Branche und der selbst gegründeten Diabetes Online Community . Egal wo er aufschlägt, die Branche (Pharma, Medizintechnik, Agenturen,Medien) hängt an seinen Lippen. Kurz gesagt, man misst ihm in DiabetesDeutschland eine gewisse Bedeutung bei. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass er es auch im Fall ” Deutschland misst!” geschafft hat, die nötigen Partner für so ein Mammut Projekt an einen Tisch zu bekommen. Hut ab. Die älteren unter uns werden unter Umständen anmerken : ” Moment mal. Gab es das nicht schon mal ?” – Richtig. 2008 gab es eine ähnliche Aktion.  (Deutschland misst! Dem Bluthochdruck keine Chance). Damals war das Thema jedoch Bluthochdruck. It´s just like a little bit of History repeating. ( Cover Version eines Shirley Bassey Song von den Chemical Brothers ).

Die Diabetes Diabetes Charity Gala bot eine perfekte Plattform um das Projekt der Öffentlichkeit vorzustellen.

Lange Rede kurzer Sinn – Hier die ersten Infos zur Aktion

“Zwei Millionen Menschen in Deutschland haben Diabetes, ohne es zu wissen! Dabei lassen sich gerade im frühen Stadium des Typ-2-Diabetes mögliche Spätfolgen besonders effektiv verhindern. Deshalb sollte man sein persönliches Risiko kennen!”, sagt Bastian Hauck. “Mit unserer Aktion wollen wir Menschen mit und ohne Diabetes erreichen und das allgemeine Bewusstsein für die Krankheit und mögliche Risikofaktoren stärken. Blutzucker-Bingo schafft einen lockeren Zugang zum Thema und motiviert Diabetiker wie mich spielerisch zu einer besseren Diabetes-Einstellung!”

Die Kampagne hat bereits zahlreiche Unterstützer gefunden: Diese spenden für jeden Teilnehmer, der am 14. November seinen Blutzuckerwert misst, 1 Euro für Diabetes-Kinderfreizeiten. “Jeder kennt den Welt-Aids-Tag, kaum einer den Weltdiabetestag. Das wird sich mit “Deutschland misst!” am 14. November ändern und daher sind wir gerne Partner der Kampagne”, ergänzt Prof. Dr. Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe. (Auszug der Pressemitteilung Quelle: presseportal.de)

So viel also von mir zu dieser Aktion. Ich werde natürlich auch am Weltdiabetestag meinen Blutzucker messen. Vermutlich sogar mehrfach. Man darf gespannt sein was im Rahmen dieser Aktion noch alles passiert. Tine von icaneateverything.com ist als Berlinerin noch näher am Thema und stellt noch so viel mehr in Aussicht.

Alle näheren Informationen zu “Deutschland misst” werden in Kürze auf der offiziellen Homepage der Aktion, blutzuckerbingo.de oder auf Facebook zu finden sein.