Das diabetische Durcheinander

Der Diabetes bringt Chaos in´s Leben. Auch in das von Angehörigen

Ab sofort lebe ich mit einem Typ1 Diabetiker zusammen. Sascha und die Diabetes Bitch sind bei mir eingezogen.Seit ca. 1,5 Jahren habe ich mich darauf vorbereiten können, was das bedeutet. Das war für mich am Anfang schon ab und zu etwas befremdlich, zumal ich Sascha schon seit meinem 10. Lebensjahr kenne und er da noch keinen Diabetes hatte. Als ich ihn dann nach über zwanzig Jahren wieder traf, hatte er plötzlich diese Dauerbegleiterin dabei.

Ganz besonders toll sind immer diese Blicke, wenn wir in einem Restaurant zum Essen sind und die Leute von den Nachbartischen ungeniert geglotzt haben, wenn Sascha sich Insulin gespritzt hat. Unglaublich wie wenig Feingefühl manche Menschen besitzen. Ich neige ja dann immer dazu diese Menschen ebenso anzustarren. Ist schon lustig, wie peinlich berührt sie dann sind, wenn sie meinen Blick bemerken. Oder als ich das erste Mal für Sascha gekocht habe und er dann fragte, was ist denn darin? Da musste ich echt kurz schlucken, bevor ich geantwortet habe. Ich war im ersten Moment völlig beleidigt, weil mein Ex immer mehr oder weniger heimlich am Essen gerochen hat und dabei geguckt hat, als ob ich ihm was ganz Ekliges vorgesetzt hätte. Und ich behaupte einfach mal, dass ich ganz gut kochen kann. Unter diesem Gesichtspunkt versteht man vielleicht mein innerliches Zusammenzucken bei der Frage “was ist denn darin”. Nachdem ich dann aber meinen ersten “Schock” überwunden hatte, wurde mir klar, dass es nur um die Kohlenhydrate und nicht um meine Kochkünste ging.

Das Beste an unserem zukünftigen Zusammenleben  ist aber Saschas Lebensphilosophie: “Ordnung braucht nur der Dumme, das Genie beherrscht das Chaos.” Da ich das Genie auch weiterhin in dem Glauben belassen möchte eins zu sein, beseitige ich das Chaos einfach heimlich. Aber natürlich nicht bevor ich Fotos davon gemacht habe!

Es gibt diverse Situationen, in denen sich das Chaos seinen Weg sucht. Ich rede hier jetzt mal gar nicht, über Zahnpasta im Waschbecken, Rasierschaum am Spiegel oder getragene Socken im Wohnzimmer. Nein ich habe mich auf die diabetischen Dinge, das diabetische Durcheinander spezialisiert.

Das erwartet mich dann am Morgen nach einer nächtlichen Hypo:

Seit Sascha Pumpenträger ist, gibt es etwas neues, was ich hin und wieder finde.

Oder der Schreibtisch nach einem Arztbesuch:

Den Müll von den Insulinreservoirs kann ich Euch nicht zeigen, da ich die Reservoirs fülle und direkt alles entsorge.

Aber mein Highlight habe ich bis zum Schluß aufgehoben. Saschas Nachttischschublade. Tada hier ist sie:

In diesem Sinne verabschiede ich mich bis zum nächsten Mal

Manu – die heimliche Chaosbeherrscherin